Patienten-Stimmen

Im Folgenden einige Rückmeldungen von Patienten und Therapie-Teilnehmern.

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Abschlussrede eines krebskranken Gruppenmitgliedes

Wenn mir jemand vor 2 Jahren gesagt hätte, dass ich Psychotherapie brauche, hätte ich ihm gesagt: “Ich glaube du spinnst, das schaffe ich alles alleine”. Aber offensichtlich kam es anders. Als an dem gleichen Tag die Nachricht kam, dass ich ein Rezidiv meiner Krebserkrankung habe und dass ich eine schwere Kränkung durch meinen Arbeitgeber hinnehmen musste, war bei mir der Ofen aus. Ab diesem Tag konnte ich ohne Medikamente keine Nacht mehr schlafen und wollte am liebsten für immer weg sein. Ich lies mich krankschreiben, weil ich eine Begegnung mit meinem Arbeitgeber fürchtete. Ich kenne mich und wusste, dass das kein gutes Ende nehmen würde. Das war für mich der Punkt, an dem ich eingestehen musste, dass ich ohne Hilfe nicht mehr weiter komme.
Durch Zufall erzählte mir jemand von einem Dr. Simonis in Zell. Was sich für mich im Nachhinein als ein Glücksfall herausstellte. Schon nach den ersten Sitzungen ging es mir etwas besser. Mir wurde bewusst, dass schon viele Menschen das gleiche Problem erdulden mussten wie ich. Schnell wurde mir auch klar, dass ich ab diesem Tag die Arbeit, die für mich die letzten acht Jahre das Wichtigste in meinem Leben war, plötzlich völlig in den Hintergrund verlagert habe. Ich identifiziere mich keinen Deut mehr mit meinem Arbeitgeber. Die Firma ist mir völlig gleichgültig. Als ich dann mal überlegte, wie lange ich eigentlich die Zusatzarbeit, die ich für den Arbeitgeber in jeder freien Sekunde machte, kündigen wollte, habe ich nur gedacht: Hättest du nur früher gekündigt. Mein Vorgesetzter, mit dem ich eng zusammen arbeite ist narzisstisch und aufbrausend. Eine gute Zusammenarbeit und Wertschätzung war unmöglich. Inzwischen habe ich die Prioritäten auf Privat gelegt, und gehe nur noch zum Geld verdienen zur Arbeit. Die Arbeit am Patient als Rettungssanitäter macht mir immer noch Spaß und ich habe mehr Zeit, um mich weiterzubilden. Aber mein Arbeitgeber hat keine Achtung mehr verdient.
Als Herrmann-Josef mir sagte, dass mir eine Gruppentherapie noch besser helfen könnte, überlegte ich erst mal eine Zeit lang. Ich wollte eigentlich aus Angst, was mich da erwarten könnte, absagen. Doch dann habe ich gedacht, was hast du eigentlich zu verlieren? Wenn es nichts für dich ist, hörst du eben wieder auf. Schon am ersten Abend fühlte ich mich wohl in der Gruppe. Es war alles noch neu für mich, aber ich spürte schon eine gewisse Vertrautheit. Inzwischen ist mir die Gruppe ans Herz gewachsen. Jeder einzelne ist ein wertvoller, liebenswerter Mensch. Ich bin so froh, jeden einzelnen in dieser Gruppe kennen- und schätzengelernt zu haben. Ich fühle mich wertgeschätzt und so angenommen wie ich bin.
Meine Einstellung war: “Du bist nichts wert, dich wertschätzt niemand, du musst jedem helfen um akzeptiert zu werden, deine Bedürfnisse sind unwichtig.”
Der Spruch meines Vaters ist mir leider wie eingebrannt im Gedächtnis geblieben: “Wenn du nichts arbeitest, bist du nichts wert”. Das hat mein ganzes Leben geprägt. Ich stürzte mich in Arbeit, um von anderen gebraucht und akzeptiert zu werden und um mir keine Gedanken um mich machen zu müssen. Mein Herz war über lange Jahre, in denen meine Eltern nacheinander an Krebs gestorben sind und ich an Krebs erkrankte, zu Stein geworden. Die Gedanken sagten mir nur noch, dass alles Schlechte nur zu mir kommt. Dass das Schicksal mich zerbrechen will. Ich sah nur noch Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit. Meine Gefühle waren meist tief vergraben, um nicht in die Gefahr zu kommen, angreifbar zu sein oder Emotionen zu zeigen. Meine Frau drang nicht mehr zu mir durch. Ich saß oft mit leerem Blick am Tisch. Ich war aufbrausend und gereizt. Ich war sehr beeindruckt von der Wutarbeit und schockiert über die furchtbaren Erlebnisse, die einige aus der Gruppe erdulden mussten. So tiefe Wut und Verletzungen sollte kein Mensch erleben müssen. Es hat mich weitergebracht, von solchen furchtbaren Erfahrungen und deren Verarbeitung zu sehen. Es hat mich verändert, plötzlich kennst du Menschen, die so furchtbare Erlebnisse erfahren mussten. Ich merkte dass mein Herz aufbrach und ich um sie weinen konnte.
In der Gruppe habe ich gelernt mich selbst so zu lieben wie ich bin (klappt auch oft), mich mit meinen Fehlern zu akzeptieren und von den Erfahrungen der Gruppe zu lernen. Plötzlich merkt man, dass andere manchmal die gleichen Probleme haben wie man selbst. Dass man sich gegenseitig helfen kann. Dass ich mich selbst lieben kann, so wie ich bin. Dass ich mir wichtig bin und mir etwas gönnen darf. Dass ich ein emotionaler Mensch mit großen Gefühlen werde und diese auch zeigen kann. Für mich war die Einstellungsarbeit das wichtigste in dieser Therapie. Wenn ich wieder an mir zweifle oder mich nicht geliebt und akzeptiert fühle, ist mein größter Freund der Spiegel. Dem schleudere ich meine Einstellungssätze entgegen. Oft hilft es mir, aber manchmal verfalle ich noch in depressive Verstimmungen. Daran muss ich wohl noch eine Zeit lang arbeiten.
Meine Familie spiegelt mir, dass ich mich verändert habe. Sie erlebt mich jetzt ruhiger und ausge­glichener, offener und gefühlsbetonter. Ich kann auch mal nichts tun und mehr Kontakte pflegen. Natürlich falle ich noch in alte Muster zurück, in denen ich rastlos oder gereizt bin. Aber es wird seltener. Ich habe gelernt, dass der Krebs zum Leben dazugehört und dass ich das Leben umso bewusster leben will. Ich gönne mir bewusst etwas, habe meine Hobbys wieder aktiviert und lege wieder mehr Wert auf ehrliche Beziehungen. Ich freue mich unheimlich, dass mein PSA-Wert deutlich gesunken ist und ich hoffen kann, dass der Krebs besiegt ist. Meine Überzeugung ist, dass durch meine begonnene seelische Gesundung der Krebs nicht mehr so viele Chancen hat, sich auszubreiten.
Ich bin durch die Therapie ein durchweg positiver Mensch geworden, der mehr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl hat. Ich will nur noch Dinge tun, die mich glücklich machen und nicht die von anderen erwartet werden. Meine Hobbys pflegen, mich viel mit anderen offenen Menschen treffen, im hier zu leben und nicht in der Vergangenheit. Ich mache zum Leidwesen meiner Familie wieder mehr Blödsinn. Der Satz von Herrmann-Josef: “Wenn du dich änderst, dann ändern sich auch die anderen” ist mein Leitsatz für mein Leben geworden.
Mein Dank gehört Herrmann-Josef und Monika, die keine Last und Mühen scheuen und mit Herzblut und Begeisterung an uns arbeiteten. Jedem in dieser Gruppe möchte ich danken für seine Offenheit, Wertschätzung und liebevollen Gefühle. Ihr seid so wertvolle Menschen. Ich liebe euch alle. Ich hoffe dass wir weiter an uns denken und fühlen und uns von Zeit zu Zeit sehen oder hören. Danke für diese wertvolle Zeit die ich nie vergessen werde.
Klaus

Rückmeldung einer Krebspatientin

Als ich meine Krebsdiagnose vor 1 1/2 Jahren mitgeteilt bekommen habe, war ich sehr verzweifelt. Es ist eine sehr seltene und schwer zu heilende Krebsart und ich hatte sehr viel Angst, dass mir nicht mehr viel Zeit bleibt. Ein Arzt sagte mir dann, dass er meinen Fall nur noch palliativ einstuft und ich die kurze Zeit, die mir noch bleibt, genießen sollte. Letzlich erfolgte dann doch noch eine Therapie mit mehreren Operationen, Bestrahlung und Chemotherapie.

Ich war am Boden zerstört, im Alter von 45 Jahren und als Mutter von 2 kleinen Kindern, fiel ich in ein tiefes Loch. 

Ich erhielt von einer Ärztin deine Kontaktdaten und ich vereinbarte direkt einen Termin. Schon beim ersten Besuch hast du mir soviel Mut und Zuversicht vermittelt, dass ich ganz verändert aus der Praxis ging. Ich las dein Buchmanuskript und wollte einiges davon umsetzen. 

Ich war immer sehr pflichtbewusst und habe meine Belange hinten angestellt. Durch meinen Beruf, der mich zeitlich sehr in Anspruch nahm und als Mutter zweier kleiner Kinder, war ich oft überfordert und im Dauerstress. Ich schlief zuwenig, machte mir um alles und jeden Sorgen, achtete zwar auf Bioprodukte in der Ernährung, aß aber sehr gerne kohlenhydratreich, viele Milchprodukte, Fertigprodukte und Süßigkeiten. In meinem Leben gab es wenig Raum für Gefühle. Kurz vor der Diagnose sagte ich zu meinem Mann, dass es so nicht weitergehen kann. Ich war ausgelaugt und erschöpft. 

Das wollte ich ändern. Als erstes stellte ich meine Ernährung auf ketogene Kost um. Leider hatte ich durch die Therapie starke Schluckbeschwerden und mit viel Übelkeit zu kämpfen. Ich hatte auch wenig Kraft und war sehr dankbar, wenn jemand für unsere Kinder und mich gekocht hat und ich mitessen konnte. Ich habe es dann auf Intervallfasten (16/8) mit deutlicher Reduzierung von Kohlenhydraten und Zucker umgestellt, mit der ich im Alltag sehr gut zurechtkomme.  

Dadurch, dass ich krankgeschrieben war, konnte ich mich ganz auf meine Heilung und meine Familie,  Beziehungen und Hobbies konzentrieren. Es war befreiend, ohne den beruflichen Druck und zusätzlichen Stress leben zu können und ich beschloss, mein Leben zukünftig ohne meine bisherige berufliche Arbeit fortsetzen zu wollen. Gerne würde ich mich in einer Selbsthilfegruppe engagieren und anderen auf Ihrem Weg unterstützen. Ich nahm auch eine 4 wöchige Reha in Anspruch und genoss die Zeit sehr, in der ich mich um nichts kümmern musste und machte durch die Therapien viele Fortschritte. 

Ich nahm mir deine Ratschläge zu Herzen: ich wurde gefühlsbetonter, dankbarer für Kleinigkeiten und kann meine Dankbarkeit und Lob anderen auch besser zeigen. Ich reflektierte meine Vergangenheit und meine Beziehungen. Ich nahm an einer Eurer systemischen Familienaufstellungsterminen teil und konnte dort auch selbst aufstellen. Ich genoss es auch sehr, an dem Wohlfühltag für Frauen, den Monika angeboten hat, teilzunehmen. Zur Zeit nehme ich gerade an einem MBSR-Kurs teil, Stressbewältigung durch Achtsamkeit und meditiere.

Das alles half mir sehr. Ich bin eine andere geworden und trauere meinem alten Leben nicht nach. 

Vor Weihnachten verfiel ich dennoch wieder in meine alten Verhaltsmuster… So vieles sollte erledigt werden, ich sagte oft nicht einfach nein, gönnte mir zuwenig Auszeiten. Ein Termin bei Dir hatte mir wieder die Augen für das Wesentliche und der Priorisierung geöffnet. Ich verinnerlichte den Einstellungssatz, dass ich keine hohen Erwartungen von mir und anderen erfüllen muss, entspannt bleiben und mein leichtes Leben genießen kann. 

Ich bin sehr dankbar, dass ich Monika und Dich kennengelernt habe und durch Euch so viel positive Energie tanken konnte. Ihr habt mir geholfen, im hier und jetzt zu leben und mit Lebensfreude zu genießen. Ich freue mich auf die Gruppentherapie, an der ich gerne teilnehmen möchte. 

Viele liebe Grüße, 

Anja 

Eine Rückmeldung am Therapieende

Hallo Hermann-Josef,

nachdem mir klar wurde, dass es so mit mir nicht mehr weitergeht, habe ich mich um eine Therapie bemüht. Mein Zustand war: hilflos, elend, leblos, mutlos, angstvoll!

Es ist mir nicht schwergefallen mich auf die Gruppe einzulassen und ich habe mich immer auf unsere gemeinsame Arbeit sehr gefreut. Mein Ziel war, mir helfen zu lassen unter allen Umständen. Ich hatte keinerlei Hemmungen mich zu öffnen. Die Gespächsrunden haben mir gutgetan und sehr geholfen. Das Therapieteam wirkte auf mich sehr interessiert an meinem Wachstum. Die Abstände alle zwei Wochen fand ich sehr positiv. Ich denke in zwei Wochen kann man mehr berichten als in einer Woche. Mein Selbstwertgefühl ist gewachsen! Mir ist auch klar geworden, dass mein Verhalten sich unbedingt ändern muß!!!! Ich freue mich heute über meine Lichtseiten und genieße mein Leben!!! Ich bin gut, so wie ich bin!!!!! Die Teilnehmer aus der Gruppe haben mir gutgetan und ich werde sie sehr vermissen!!! Mir ist auch klar geworden, warum ich krank wurde. Mit meinem Verhalten, anderen Menschen gegenüber, verleugnete ich mich selber. Ich konnte nicht wachsen!!! Ich stoppte mich selber!!! Schade für die verlorene Zeit. Aber es ist ja noch nicht zu spät. Ich bete, dass Gott mir noch etwas Zeit zum Leben gibt. Heute erlebe ich mich: hilfsbereit, elanvoll, lebensfroh, mutig und angagiert. Ich bin sehr traurig über das Ende der Therapie hätte noch sehr gerne weiter an mir gearbeitet. Ein Thema, dass ich noch nicht angesprochen habe, (Bestrafung als Kind) belastet mich noch etwas. Aber ich denke das kriege ich auch noch hin.

Vielen, vielen Dank und ganz liebe Grüsse

Abschlussbericht 14.04.2005

Der Grund warum ich Hilfe suchte war der, daß ich mit mir und meinem gesamten Leben, wie es bisher verlief absolut überfordert war. Als ich aufgrund eines großen Streites den Kontakt zu meinen Eltern abbrechen mußte, geriet mein Seelenleben völlig aus dem Gleichgewicht.

Ich konnte Stunden damit zubringen nur zu weinen oder einfach nur zu sein. Lachen war undenkbar, Gesprächen folgen unmöglich. Immer wieder kreisten meine Gedanken um meine Schicksalsschläge und meine scheinbar ausweglose Situation. Auf der körperlichen Ebene plagten mich, wie schon seit Jahren immer wiederkehrende Durchfallattacken, die mit dem Begriff Reizdarmsyndrom einen Namen bekamen. Auch die 5DM-Stück große Stelle auf meinem Kopf, wo ich fast 2 Jahre lang kein einziges Haar hatte, fing wieder an zu jucken.

Meine erste Anlaufstelle war mein Hausarzt, der mich glücklicherweise an Hermann-Josef überwiesen hatte und mir die Situation mit einem Antidepressivum erleichterte. Während der anfänglichen Einzelgespräche hatte ich ein mulmiges Gefühl im Hinblick auf eine Gruppentherapie. Ich hatte Angst davor nicht genügend Aufmerksamkeit zu bekommen.

Eine Zeit lang habe ich versucht mich unsichtbar zu machen, habe die Attests und Unterlagen für den Antrag auf Kassenleistung einfach nicht besorgt.

Doch wie auch immer, irgendwann erhielt ich Post von der Krankenkasse, mein Antrag wurde bewilligt. Damit fühlte ich mich gezwungen mir die Gruppe wenigstens einmal anzusehen. Heute bin ich froh diesen Schritt getan zu haben, denn ich durfte Menschen kennenlernen, durch die ich wachsen konnte. Ich habe gelernt mich bedenkenlos zuzumuten und daß ich trotz meiner Schwächen ein liebenswürdiger Mensch bin.

Nach dem ersten Kennenlernen gelang es mir recht schnell, offen über meine Ängste, Sorgen und Nöte, ja über mich zu sprechen.

Ein Schlüsselerlebnis zum öffnen gut verschlossen geglaubter Schubladen hatte ich beim holotropen Atmen. An meine tiefen Gefühle wie z.B. Trauer kam ich beim Bonding, wobei ich meine nicht verarbeitete Trauer deutlich spüren konnte. Aus den Besuchen bei Dr. Jung in Lahnstein kann ich auch nach Beendigung der Therapie für mein Leben lernen und mich selbst mit einem schönen und informativen Abend belohnen. Denn auch ein Resultat aus der Therapie ist, daß ich mir selbst öfter etwas gönnen sollte, um auch anderen mehr gönnen zu können. Hilfreich dabei waren für mich meine immer mal wieder wechselnden Einstellungssätze. Teilweise bastele ich mir die, je nach Situation selbst: „Das geht Dich nichts an“, „Hab Geduld“, Das ist nicht meine Verantwortung“. Es hilft mir, nicht alles an mich ran zu lassen, was mir nicht guttun würde.

Seit Beginn der Therapie habe ich einige Veränderungen an mir festgestellt. Es ist mir nun eher möglich nur meinen wirklichen Anteil der Verantwortung für etwas oder jemanden zu übernehmen. Es gelingt mir mittlerweile öfter, die Verantwortung dort zu lassen, wo sie auch hingehört. Lob und Anerkennung kann ich deutlich besser annehmen mich darüber freuen und mich sogar dafür bedanken.

Das hat in vielen Beziehungen zu mehr Geduld mit anderen geführt, wodurch sich das Verhältnis insgesamt entspannt hat. Heute benötige ich oftmals nicht mehr meinen Schutzpanzer aus Härte und Stärke. Es ist mir möglich geworden meine sensible Natur offen zu zeigen, auch wenn mit dies bisher nur bei Menschen gelingt, denen ich vertraue.

Durch einen Kampf mit meinem Arbeitgeber, in dem ich ausnahmsweise mal nicht einfach nur stur und rechthaberisch argumentiert habe, sondern demütig auch meine Fehler zugegeben habe und trotzdem erreicht habe was ich wollte, hatte ich ein richtiges Erfolgserlebnis. Es hat mir gezeigt, daß es auch andere Wege gibt an sein Ziel zu kommen, ohne gleich die Brechstange zu benutzen.

Während der Zeit in der Gruppe ist mir einiges bewußt geworden. Meine offensichtliche Eßsucht ist das Ventil für den Hunger nach Nähe, Wärme und Liebe. Durch das Essen habe ich versucht meine Energielöcher zu füllen, die durch zu großes Engagement für andere entstanden sind. Ich habe anscheinend nie gelernt meine Kräfte anderweitig aufzufüllen und meine Reserven zu sammeln, als durch Fettpolster am gesamten Körper.

Aufgrund dieses Wissens habe ich nun einen Antrag auf stationäre Therapie zur Gewichtsreduktion gestellt. Meine Ernährungsgewohnheiten stelle ich langsam um und versuche mich regelmäßig zu bewegen. Es gelingt mir nicht jeden Tag meine Vorsätze einzuhalten, aber jeder Tag an dem ich eisern war, habe ich ein Stück gewonnen.

Ich habe auch für mich erkannt, daß ich mein Glück nicht von jemand anders abhängig machen kann, daß außer mir niemand die Verantwortung für mein Glück trägt. Es ist meine Pflicht das beste aus meinem Leben zu machen und für mein Glück selbst Sorge zu tragen.

Daß es mir deutlich besser geht und ich seit Monaten schon kein Antidepressivum einnehmen muß, ist vor allem jedem einzelnen Mitglied der Therapiegruppe zu verdanken.

Ohne Euren Zuspruch, Eure Geduld und Liebe hätte ich niemals solche Fortschritte machen können.

Ich möchte weiterhin an mir arbeiten und die offene Gruppe besuchen. Ich hoffe natürlich, daß ich dort meine liebgewonnen Leidensgenossen weiterhin treffen kann. Bei dem ein oder anderen glaube ich, werden auch Treffen ohne Gruppe stattfinden, worauf ich mich sehr freue.

Der neuen Gruppe wünsche ich, daß sie ebenfalls aneinander lernen und sich selbst erkennen lernen.

Mit einem herzlichen Drücker, Daniela

Abschlussbericht einer Teilnehmerin

Meine Psyche lief aus dem Ruder, deshalb suchte ich die Hilfe von Dr. Simonis, den ich vor 2 Jahren im Familienstellenseminar kennen lernte, auf.

Erst kurz verheiratet, gab es nur Streit, Frust und Hilflosigkeit in meiner Partnerschaft, ich konnte mich nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren, beruflich, wie zuhause, und meinem Job als Mutter fühlte ich mich auch nicht gerecht.

Mein Mann trank, ich wurde immer wirrer im Kopf, hatte Konzentrationsschwierigkeiten und – störungen, litt unter Schlaflosigkeit und wohl vor allem unter Fremdbestimmung. Ich war systemlos, meinungslos, ziel- und sinn-los geworden, litt unter Depression mit Hang zum Suizid.

Ursprünglich dachte ich, eine Paartherapie würde uns gut tun. Doch irgendwie landete ich in der „Gruppentherapie“, unter der ich mir anfänglich überhaupt nichts vorstellen konnte, vor allem war ich nur wenig der Überzeugung, dass dies mich wirklich weiter bringen würde. Aber nun denn, viele Auswahlmöglichkeiten gabs ja sonst nicht und für mich war es fünf vor 12. Also ließ ich mich drauf ein.

Mir war sehr mulmig vor der ersten Stunde, etwas Angst und Unbehagen machte sich breit. Leider entschied sich meine Teilnahme so kurzfristig, dass die Übergabe von der letzten Gruppe auf unsere wohl schon vorüber war – ich hatte also keine Ahnung, was mich erwarten würde.

Mehr kann ich mich an den ersten Stunden der Therapie nicht erinnern, ich weiß – bis auf unser Kennenlernspiel, eigentlich nichts mehr von unseren Anfängen, was zeigt, wie sehr ich „abwesend“ war. Ein Teil von mir war sehr weit weg und abgespalten, so dass viele Ereignisse an mir vorbeiliefen, ich sie am Rande wahrnehmen konnte, aber ohne wirklich daran beteiligt gewesen zu sein. Ich war zu sehr mit mir selber beschäftigt. Große Probleme hatte ich auch darin, Nähe zuzulassen. An der Verab- schiedungszeremonie, im Kreis, an den Händen haltend, ein Lied zu hören, war mir nicht möglich.

Es fiel mir oftmals auch sehr schwer, Gefühle und Wahrnehmungen auszudrücken und so zu beschreiben, so dass die anderen mich verstehen konnten.

Für meinen Partner war es auch nicht einfach, dabei zuzusehen, wie ich mich veränderte. Nach jeder Gruppenstunde wollte er mich ausquetschen, was wir denn gemacht haben und ob ich über ihn gesprochen habe. Dies entwickelte sich zum neuen Streitpunkt. Je mehr ich an mir arbeitete, zu mir zurückfand, desto mehr entfernte sich mein Partner von mir. Statt eines Miteinanders und der erhofften und insgeheim erwarteten Unterstützung stieß ich auf Widerstand und Unverständnis.

Jeder Schritt zu mir selber, war ein Schritt von ihm weg. Und so kam es, dass wir uns innerhalb der Therapiedauer nicht nur trennten, sondern auch scheiden ließen. Dies zeigt, dass man mit allem rechnen sollte, wenn man den Mut zur Arbeit an sich selber wagt. Es macht es einem einfach sehr schwer, Lüge zu leben, wenn man zur eigenen Wahrheit findet, wenn nicht sogar unmöglich, und die daraus resultierenden Reaktionen oder Begebenheiten lassen sich nicht vorhersehen. Aber – so weh es auch tut – es ist zwar nicht der einfache, aber der richtige Weg. Für mich war es das.

Es gab Therapieformen z. B. Bonding oder Holotrophes Atmen, vor denen ich Angst hatte, aber diese beiden Therapieformen haben mir sehr viel geholfen – haben einen großen „Schub nach vorne“ in meiner Entwicklung gebracht. Dies wiederum zeigte mir, dass es dort lang geht, wo die Angst ist. Es gehört Mut dazu, sich einzulassen, aber am Ende winkt in jedem Fall die Belohnung. Die beiden Therapeuten machen ihre Arbeit vorzüglich, man wird nicht mit Samthandschuhen angefasst, es gibt kein Beschönigen und keine Gefallen, man muss sich alles erarbeiten- man wird liebevoll begleitet, aber gehen muss man selber.

Anne und Hermann Josef bringen sehr viel Energie in die Gruppe ein, wissen immer genau, welche „Behandlung“ einen im Moment gerade weiterbringt. Es gibt Tränen, Tränen der Trauer und der Freude, es gibt Glücksmomente, Aha – Effekte und sicherlich auch kleine Barrieren, die zu überwinden sind.

Im Nachhinein bin ich froh, in diese Gruppentherapie „gerutscht“ zu sein. Die Gruppe wächst zusammen, man sieht, dass man nicht alleine da steht, dass es auch andere gibt mit ihren jeweils speziellen Problemen, man lernt Leute kennen und mögen, deren Weg man wahrscheinlich im Alltag nicht gekreuzt hätte, vielleicht entwickeln sich sogar Freundschaften.

Heute bin ich zwar alleinerziehend, – aber besser zufrieden und stark allein – als in einer schlechten, herabziehenden Partnerschaft.

Mein Sohn hat heute eine Mutter, die wieder mit beiden Beinen im Leben steht, natürlich gibt es Rückschläge und auch schlechte Tage, aber das Leben ist nun mal so, Berg- und Talbahn. Aber ich kann besser damit umgehen.

Mittlerweile habe ich Verständnis dafür entwickeln können, warum viele Verletzungen an mir in meiner Kindheit entstanden sind – ich lernte durch die Therapie meine Eltern, meinen Partner und mich besser zu verstehen und ihnen zu verzeihen, auch ohne mit ihnen selbst darüber gesprochen zu haben. Aber vor allem habe ich gelernt, mir selber zu verzeihen, das fiel mir wohl am schwersten.

Tag für Tag versuche ich mein Leben und das meines Sohnes ein wenig schöner und besser zu machen. Mit meinem ehemaligen Partner und Vater des Sohnes komme ich mittlerweile ganz gut aus, ich kann auch ihn und sein Verhalten besser annehmen und respektieren, auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann. Aber ich beziehe es nicht mehr auf mich – gebe mir nicht mehr die „Schuld“ für manche seiner Verhaltensweisen.

Mein Leben ist bewusster geworden, und ich ein Stück weit offener, zwar auch verletzlicher, aber dafür habe ich auch gelernt, meine Grenzen wahrzunehmen, ggf auch darüber hinauszuwachsen, Neues zu wagen und im besonderen, anderen meine Grenzen zu zeigen.

Es kommt wohl viel auf Dich zu, aber nichts, was nicht zu bewältigen wäre. Man wächst mit seinen Aufgaben.

Gruppenabschlussbericht

Als ich Anfang des Jahres Hermann-Josef das erste Mal begegnete fühlte ich mich so furchtbar mutlos, unfassbar schwer und unendlich traurig. Ich wußte, dass meine Traurigkeit nicht nur von der momentane Entwicklung in meinem Leben – die Trennung von meinem Mann – sondern noch viel tiefgründigere Ursachen haben musste. Die Aussicht eine Therapie zu machen, zu jemandem zu gehen, der mir helfen würde, mir vielleicht sagen würde, was ich tun muss, um wieder selbstbewußt, zufrieden und glücklich zu sein, machte mir Mut. Ich ahnte damals noch nicht, dass ich keine „Anleitung“ erhalten würde, sondern mir alles selber „erarbeiten“ musste. Als ich dann erfuhr, dass ich eine Gruppentherapie machen sollte und keine Einzeltherapie, verließ mich mein Mut wieder. Mich vor anderen blamieren? Ihnen meine Geschichte erzählen? Ihnen offenbaren, was für eine Mutter ich habe? Gefahr laufen, dass die anderen mich verurteilen würden? Ich überlegte lange hin und her, ob ich wirklich zu der ersten Stunde hinfahren sollte. Was mich wirklich dazu bewog, kann ich im Nachhinein garnicht mehr so genau sagen. Ich bin auf jeden Fall gefahren.

Tja, und da saßen wir dann alle in der Runde und irgendwie war es ein seltsames Gefühl zu wissen, dass diese Menschen mich in den nächsten Monaten begleiten würden, mich vielleicht spiegeln würden.

Einen Wendepunkt in dieser Therapie war für mich – ich glaube es war in der zweiten Stunde – als Alfred auf diesen Würfel einschlagen sollte. Zuerst zögerlich, doch dann voller Wut schlug er immer wieder zu und schrie so viel Aufgestautes heraus. Von dem Moment an war mir klar, dass ich hier keine Anleitung erhalten würde, sondern dass ich es zulassen muss, ganz tief zu graben. Aber mein Wunsch mich selber endlich anzunehmen, mich selber mehr lieben zu können, endlich nicht mehr um Liebe kämpfen zu müssen, war so groß, dass ich trotz aller Ängste die Therapie fortsetzte. Ich wollte endlich fühlen, dass ich es wert bin, geliebt zu werden, auch wenn meine Mutter mich nicht lieben konnte. Auf Kopfesebene verstand ich es, nur die Gefühlsebene hatte es noch nicht verstanden. Wenn eine Mutter – was ja im Prinzip ein Naturgesetz sein sollte – das eigene Kind hasst und es nicht lieben kann, wie sollen es dann die anderen Menschen?

Im Mai – mitten in meiner räumlichen Trennung vom Peter, der Angst, wie die Kinder die Trennung verkraften würden, enttäuscht und verletzt von den Reaktionen aus dem Freundeskreis – entschloss ich mich für das Familienstellen. Ich hatte einiges darüber gelesen, hatte aber gar nichts verstanden. Wie sollte das wirklich funktionieren? War das nicht alles Aberglaube? Die Gedanken, die mich an diesem Tag begleitet haben, würden hier zu weit führen. Ich kann nur sagen, dass es für mich unendlich wichtig war, mir so viel gebracht hatte. Die Frau, die meine Mutter darstellte ( als kurze Anmerkung: sie wußte nichts von meiner Beziehung zu meiner Mutter) sah mich bei dieser Aufstellung ganz traurig an und meinte „ Es tut mir so leid, dass ich dich nicht lieben konnte!“ Wow, dieser Satz saß. Er erschütterte mich bis ins tiefste Mark. Hatte ich die Beziehung zu meiner Mutter vielleicht zu einseitig betrachtet? Hatte sie es vielleicht so schwer in ihrem Leben, so wenig Liebe, dass sie diese einfach nicht an ihre Kinder weitergeben konnte? Es passierten viele Dinge bei dieser Familienaufstellung, über die ich immer wieder viel nachgedacht habe. Ich konnte vieles nicht direkt deuten, aber ich fühlte, dass es mich weiterbringen würde.

Einige Monate später sollten wir einen Brief an unsere Mutter schreiben. Ich tat es, mir fiel es leicht, meine Gedanken in Worte zu fassen. So oft hatte ich genau über das nachgedacht. Es tat mir sehr gut diese Gedanken endlich mal zu Papier zu bringen. Wenige Wochen später erlitt meine Mutter schwere Krampfanfälle, Folgen ihrer Alkoholkrankheit. Die Ärzte meinten, sie würde in den nächsten Tagen sterben. Ich fuhr zu ihr und was ab da passierte, grenzt für mich an ein Wunder. Da begann die letzte Phase meiner Heilung, wenn man es so sehen will. Kurz gesagt, sie erwachte wieder aus dem Koma und wir konnten uns beide annähern, uns berühren. Ihre Worte und ihre Blicke hatten nicht mehr diese Schärfe, sondern wie waren jetzt eher sanft. Ich besuche sie seit dem sehr gerne, es ist für uns beide gewinnbringend. Mein Herz macht jetzt immer einen kleinen Sprung, wenn sie mich mit „Ach, Kind!“ begrüßt. Sie hat mich um Verzeihung gebeten. Ich habe ihr verziehen – ich konnte ihr nach der „Vorarbeit“ der letzten Monate, nach den Erfahrungen des Familienaufstellens, wirklich verzeihen. Mein Hass ist weg, ich fühle Verständnis und sogar Liebe meiner Mutter gegenüber. Vielleicht noch Trauer, weil wir so lange für unsere Annäherung gebraucht haben.

Lieber Hermann-Josef, du hattest recht, wenn du immer wieder sagtest, wie wichtig Verzeihen sei. Ich kann meine Gefühle nicht so gut beschreiben, ich kann nur sagen, dass diese Trauer, die ich nie beschreiben konnte, weg ist. Ich fühle Erleichterung und Mut für meinen weiteren Lebensweg.

Ich bin ausführlich jetzt auf die Therapieelemente eingegangen, die mir wirklich was gebracht haben: Briefe schreiben und das Familienstellen. Wichtig war auch, den anderen aus der Gruppe zuzuhören. Mitzuerleben, welche schweren Päckchen auch sie zu tragen haben. Jeder auf seine Weise.

Viele Elemente aus der Therapie waren mir noch sehr fremd. Mich wirklich fallen zu lassen konnte ich nicht. Aber ich möchte weiterhin dran arbeiten, möchte Entspannungstechniken lernen. Mit kleinen Schritten versuche ich körperliche Nähe zuzulassen. So umarme ich jetzt Freundinnen, wenn ich sie sehe. Am Anfang fiel es mir sehr schwer, doch langsam lasse ich es zu. Zumindestens konnte ich mich meinen Freundinnen, die bis dato nichts von meiner Mutter oder der Beziehung zu ihr wußten, öffen. Ich habe ihnen vieles erzählt, ihnen den Brief, den ich an meine Mutter geschrieben habe, gezeigt. Die Reaktionen taten mir sehr gut. Ich wurde nicht verurteilt, sondern bestärkt, dass ich es allemal wert sei, geliebt zu werden.

Dieses Jahr hat mir in jeder Hinsicht viel gebracht. Es wird seit vielen Jahren das erste Silvester sein, wo ich nicht wehmütig aufs vergangene Jahr zurückblicke. Viele Dinge habe ich aus eigener Kraft geschafft: die Trennung von Peter, die bis dato sehr fair verläuft, meine Kinder haben die Trennung gut verkraftet ( wofür Peter und ich auch alles getan haben), ich habe mir eine neue Stelle gesucht, bin finanziell unabhängig, habe das zenterschwere Paket Mama endlich abgeben können, habe gelernt mich mehr zu lieben.

Und das Bewußtsein, dass ich noch nicht am Ende des Weges angekommen bin, dass ich weiter an mir arbeiten möchte. Mehr Gelassenheit bekommen möchte, meinen Perfektionismus etwas ablegen möchte ( nicht ganz, weil ich ihn eigentlich gut finde), ich möchte mit Andreas eine glückliche und tiefe Beziehung führen und ich möchte mehr an mich denken. In meiner Ehe habe ich mich oft nur im Kopf mit meinen Gedanken auseinander gesetzt. Bin wie eine Verrückte laufen gegangen – bin im wahrsten Sinne des Wortes vor jedem Problem davon gelaufen – und keiner hatte eine Chance, daran teilzuhaben. Meine Beziehung zu Andreas ist anders, wir reden viel miteinander, ich laufe nicht mehr weg, sondern traue mich auch schwach zu sein. Ja, sogar zuzugeben, wenn ich angst habe oder sogar zu weinen, wenn mir so manches zu viel wird. Es ist für mich eine neue Erfahrung, nicht mehr alles mit mir alleine auszumachen, sondern auch jemand anderem zu vertrauen und meine Gedanken abgeben zu können. Das soll kein Vorwurf an Peter sein, er hatte in diesem Punkt einfach keine Chance, weil ich es nicht zugelassen habe.

Es war ein Jahr, dass mich wirklich weiter gebracht hat, mich hat wachsen lassen. Ich kann nur jedem empfehlen, den Mut zu haben, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzten. Den Mut zu haben, sich mit sich selber auseinander zu setzen. Ein Freund von mir hat mal gesagt, jeder Mensch nimmt sich jeden Tag eine bestimmte Zeit für seine Körperhygiene, für sich zu duschen, Haare zu fönen, sich zu rasieren usw. Aber wer nimmt sich die gleiche Zeit für seine Seelenhygiene?

Auch im nächsten Jahr möchte ich weiter an mir arbeiten, Autogenes Training lernen, eine weiter Familienaufstellung machen, intensiver Leben mit meinen Kindern und die Beziehung mit Andreas pflegen, ihm weiterhin zu vertrauen und dankbar sein, dass wir uns gefunden haben.

Abschlussbericht zu Gruppentherapie

Seit Jahren plagen mich immer wieder starke Rückenschmerzen die durch physiotherapeutische Maßnahmen behandelt werden, aber ich bin auf Dauer nicht schmerzfrei. Da ich im Sportverein als Übungsleiter tätig bin weis ich, dass viele schmerzhafte Beschwerden auch psychosomatisch Ursachen haben. Nach längerer Überlegung und durch Zuspruch meiner Heilpraktikerin habe ich mich für eine Psychotherapie entschlossen. Zunächst als Einzeltherapie und dann als Gruppentherapie. Durch die ermunternden Worte meines Therapeuten und die Schilderung der vielfältigen Vorteile einer Gruppentherapie fiel es mir nicht besonders schwer mich auf eine Gruppentherapie einzulassen.

Von Beginn an habe ich mich in der Gruppe sehr wohl gefühlt. Als am ersten Abend jeder seine Gründe schilderte warum er die Gruppentherapie machen wollte, fühlte ich mich mit meinen Problemen nicht mehr so wichtig. Im Laufe der Therapie erkannte ich jedoch dass auch meine Probleme für mich wichtig sind und Beachtung finden müssen. Es brauchte einige Therapiestunden bis ich mich mehr in die Gruppe einbrachte. Besonders gut tat mir die Körperarbeit wie Bonding, Massagen, Entspannungsübungen und das genießen von Umarmungen. Schwer fiel es mir wenn es darum ging Konfrontation zu üben oder Wut und Ärger zu zeigen.

Auch lernte ich von anderen Gruppenmitglieder wie sie mit ihren Problemen umgehen sollten. Besonders gut hat mir getan, wenn positive Rückmeldungen von den Gruppenmitgliedern und den Therapeuten kamen.

Das Therapeutenteam arbeitete gut zusammen und ergänzte sich in vielfältiger Weiße. Jedes einzelne Gruppenmitglied war ihnen wichtig und bekam ihre ganze Aufmerksamkeit. Ich wurde immer wieder für meine Fortschritte und persönliche Entwicklung gelobt.

In der zukünftigen Gruppe wäre es sehr hilfreich öfters bei der Bewältigung von Problemen einzelner Gruppenmitgliedern ein Blitzlicht durch zu führen.

Dies hätte den Vorteil, dass ich lerne mir über meine Empfindungen und Gefühle mehr bewusst zu werden und diese auch gegen über der Gruppe zu äußern. Insbesondere ist dies für diejenigen hilfreich die sich nicht so trauen ihre Empfindungen und Meinungen mit zu teilen.

Viel Zeit wurde manchmal in die Behandlung einzelner Probleme von Gruppenmitgliedern investiert wo ich der Meinung bin dies hätte auch in kürzere Zeit erfolgen können dadurch ging uns einige Zeit für allgemeine Therapiearbeit verloren.

Die positiven wie auch die negativen Rückmeldungen der Gruppenmitglieder und der Therapeuten halfen mir mein Selbstwertgefühl zu steigern. Ich lernte Gefühle zu äußern mehr körperliche Nähe zu lassen. Da durch bin ich offener geworden und habe wieder mehr Lebensfreude bekommen. Durch die Therapie habe ich den Mut gefunden mit unserem ältesten Sohn ein Gespräch über unser persönliches Verhältnis zu führen. Dies hat sich nachhaltig sehr positiv ausgewirkt. Wenn wir uns treffen umarmen wir uns, dies haben wir früher nie getan. Dadurch ist ein sehr herzliches Verhältnis entstanden.

Mit meiner Frau unternehme ich in der Freizeit mehr als vor der Therapie und versuchen gemeinsam mehr Spaß am Leben zu haben.

Ich kann mich annehmen so wie ich bin, möchte aber weiter hin an meinen Schattenseiten arbeiten die mir durch die Therapie noch bewusster geworden sind und schon kleine Erfolge erreicht habe.

Auch meine Stärken sind mir durch die Gruppenarbeit noch einmal bewusster geworden und durch viele Rückmeldungen der Gruppenmitglieder immer wieder bestätigt worden was mir ein starkes Selbstwertgefühl gab.

Ich versuche weiterhin mehr Lebendigkeit in mein Leben zu bringen und weniger Kopfarbeit zu leisten und die Entscheidungen mehr aus dem Bauch heraus zu treffen. Auch falle ich noch all zu oft in die Helferrolle, als auf meine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse zu achten.

Da hilft mir mein Einstellungssatz: „Ich darf spontan sein und voller Lebensfreude und gut für mich selber sorgen“.

Konfliktbewältigung wäre ein Bereich an den ich noch arbeiten will.

Wenn es einmal schwierig wird hilft mir dann das Lied: “Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine“.

Ich werde weiterhin versuchen an der offenen Gruppe teil zu nehmen um weiter an mir Wenn es einmal schwierig wird hilft mir dann das Lied: “Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine. Zu arbeiten und Kontakt zu einzelnen Gruppenmitgliedern zu halten.

Alles Liebe, Georg

Bericht zur Therapiemitte

Vor der ersten Therapiesitzung hatte ich keine Angst aber aufgeregt war ich schon. Das es den Anderen auch so oder ähnlich ging war für mich etwas total Neues. Ich dachte bisher immer nur mir ginge es so. Ich empfand es als beruhigend, dass ich mit meinen Problemen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr allein war. Ein absolutes Highlight ist für mich der freie und ungezwungene Umgang untereinander.

Gut getan hat mir das ich kein Einzelfall bin. Bisher dachte ich immer, so bin ich nun mal, ich kann es nicht ändern. Mittlerweile habe ich kapiert, das ich selbst sehr wohl was ändern kann. Ich muss mich nicht damit abfinden wie die Situation ist. Ursprünglich war die Motivation zur Therapie meine Frau wieder für mich zu gewinnen. Gut, damit ist es wohl vorbei. Schon sehr bald kam die Erkenntnis: Halt, es geht um mich und mein Leben. Seither sehe ich die ganze Therapie aus einem anderen Blickpunkt und es tut sich wirklich was und es ist gut für mich. Ok, finanzielle Sorgen plagen mich immer noch, auch habe ich wenn es mir mies geht immer noch Gedanken an ein Ende. Wenn es mir schlecht geht, dann denke ich auch heute noch es wäre besser mich gäbe es nicht mehr, aber es wird weniger und die Intensität verringert sich.

Es tut mir auch gut, dass ich mittlerweile offener über eigene Probleme spreche und nicht mehr alles in mich rein fresse und mit mir selber ausmache.

Des Weiteren war ich vom ersten Bonding sehr begeistert. Obwohl ich noch nicht bis zu den ganz tief verschütteten Dingen vorgestoßen bin, bin ich an diesem Abend nach hause gefahren als hätte mich jemand von einer Last befreit.

Ich habe gelernt, dass Wut nichts Unnatürliches ist und raus muss. Ich habe viel zu lange alles in mich rein gefressen, bis ich dann geplatzt bin und meinen Gegenüber, meist meine Frau, dann vor den Kopf gestoßen habe.

Ich habe gelernt, dass auch ich ein liebenswerter Mensch bin und auch ich zu einem durchsetzungsfähigen Mann werden kann. Ich muss mich selbst lieben lernen um geliebt zu werden. Ich bin selbst für mein Leben verantwortlich und wenn ich mir was gönne brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben. Ich gönne mir jetzt das eine oder andere und das schlechte Gewissen wird weniger. Ich will in Zukunft gut für mich Sorgen, denn davon habe nicht nur ich etwas, sondern auch meine Kinder profitieren davon. Außerdem mache ich jetzt öfter den Mund auf wenn mir was gegen den Strich geht und schlucke nicht mehr alles. Ich habe auch gelernt meine Empfindungen mitzuteilen. Meine Kinder verstehen das besser als wenn ich gereizt bin.

Es ärgert mich, dass ich noch zu oft schweige. Ich sollte mich öfter zu Wort melden, wenn ich denke was sage zu müssen. Ich habe immer noch Schwierigkeiten um Hilfe zu bitten.

Schwierigkeiten bereitet mir die Trennung, vor allem die Trennung von den Kindern. In der letzten Woche habe ich sehr deutlich gemerkt wie sehr mir der Sohn meiner Frau aus erster Ehe ans Herz gewachsen ist. Ich werde ihm demnächst mal eine Mail schreiben um ihm zu signalisieren, das ich weiterhin immer für ihn da sein werde. Die Trennung von den Zwillingen ist für mich noch schlimmer. Ich war sehr froh an Karins Geburtstag Eure Nähe genießen zu können, denn an dem Tag ist meine Frau mit den Kindern ausgezogen. Der Abend hat mir sehr geholfen.

Der Bruch mit meiner Mutter belastet mich schon. Ich habe mittlerweile wieder Kontakt zu meiner Schwester und in ihr einen Fürsprecher. Sie hat ihr gesagt, dass ich im Moment Stress habe, aber irgendwann auf sie zukommen werde. Es ist ein schwerer Schritt, aber ich werde ihn gehen. Ich habe mich von Ihr total abgewandt, weil meine Frau mit ihr nicht klar kam. Das Bild meiner Schwester von unserer Mutter ist für mich schwer zu verstehen. Das nagt an mir. Ich kann mir zwar einiges erklären, aber das hilft mir nicht wirklich weiter. Vielleicht wird mir einiges klarer wenn ich den Kontakt gefunden habe.

In Zukunft muss ich noch mehr lernen Kontakt aufzunehmen und Kontakte zu knüpfen. Außerdem schadet es mir nicht mich mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Ich daran arbeiten meine Hemmungen zu verlieren. Ich muss auch noch mehr verinnerlichen das es noch was anderes gibt als immer nur Arbeit. Ich muss auch weiter daran arbeiten, das ich mich selbst wichtig nehme und noch mehr Gelassenheit habe.

Meine Kindheit belastet mich nach wie vor. Vieles was zu der Trennung von meiner Frau geführt kommt aus meiner Vergangenheit. Ich habe zu oft in Ihrer Denk- und Verhaltensweise meinen Vater gesehen. Davon muss ich für die Zukunft loskommen. Es ist nicht alles falsch was sie gemacht und gesagt hat. Mit vielem bin ich nicht klargekommen weil Sie meinem Vater zu ähnlich ist, wie sie manches sieht und angeht. Gelernt habe ich für mich, dass ich kein Knecht mehr sein will, nur gesagt habe ich es zu spät. Ich hatte Angst vor Konflikten. Ich hätte sie besser gesucht.

Für die 2. Hälfte der Therapie wünsche ich mir durch Bonding noch viel tiefer an meine Probleme heranzukommen. Ich wünsche mir weiter die Ratschläge umsetzen zu können und mit eventuellen Rückschlägen umzugehen lernen und nicht wieder in eine tiefes Loch zu versinken.

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